Das Haus auf der Höchte (= auf der Höhe) hat schon eine lange Geschichte. Es liegt auf einer Wurt im Herzen Eckwardens auf der Halbinsel Butjadingen. Der Ort konnte schon sein 1000-jähriges Bestehen feiern, die Wurt ist noch viel älter. Das bestehende Haus wurde 1762 erbaut, der Bauherr Peter Bendes und seine Frau Hasche Margarete lebten dort über 30 Jahre, bis das Haus nach ihrem Tod von einem Herrn Wachtendorf erworben und bald darauf an seinen Neffen Hinrich Koch und seine Frau Margarete weiterverkauft wurde. Seitdem lag das Haus über mehrere Generationen lang in den Händen der Familie Koch, die über große Ländereien in der Umgebung verfügte und eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben hier spielte. Die letzte der Kochs, Frau Aike Koch, ließ das schließlich stark heruntergekommene Haus Anfang der 1990er Jahre wieder herrichten und in neuem Glanz erscheinen. Da sie kinderlos war, ging das Haus nach ihrem Tode an das Klinikum Oldenburg, von dem ich es im Jahr 2013 erstand. Nach einigen Renovierungsarbeiten kann das Haus nun an Feriengäste vermietet und als mein Atelier genutzt gewerden.
Aus den vielen Dokumenten, die mir Aike Koch hinterließ, fand ich folgende Seiten zur Historie des Hauses recht interessant.
Aus einem Vortrag von Hans H.Francksen vom 11.07.1995:
Eckwarden
… Peter Bendes finden wir ab ca. 1730 als Besitzer des Hofes auf der Höchte. Dies ist eine kleine aber hohe Wurt neben der eigentlichen Dorfwurt und bietet nur Platz für einen großen Hof. Diese Lage ist typisch für die kleinen friesischen Burgen des späten Mittelalters, doch kann ich nicht sagen, ob das auch in diesem Falle zutrifft.
Wenn man nach Eckwarden kommt, liegt die Höchte etwas abseits an einer Nebenstraße. Das ist aber erst der Fall, seit vor reichlich hundert Jahren die erste Steinstraße durchs Dorf gelegt wurde. Hierfür wählte man eine Trasse über die Höhe der Dorfwurt und entlang der Nordseite des Kirchhofs. Vorher aber verlief der öffentliche Weg entlang der Südseite der Wurt und führte zwischen dieser und der Höchte weiter nach Roddens und Pumpe.
Wie gesagt, betrieb Peter Bendes hier ab etwa 1730 Landwirtschaft und Handel. Möglicherweise war er durch Einheirat Besitzer geworden. Die Geschäfte müssen floriert haben, denn bald besaß er weitere Ländereien und Häuser in der ganzen Vogtei. Da er in Geschäften viel unterwegs sein musste, hielt er sich ein spezielles Reitpferd und einen einachsigen Carriolwagen. Das galt in der hundert Jahre dauernden Dänenzeit als Luxus und wurde extra besteuert. Diese Steuerlisten sind noch erhalten, sonst könnte ich das alles nicht wissen.
Welche besondere Stellung Peter Bendes in Eckwarden einnahm, geht aus einer Annonce hervor, die ich in den Oldenburgischen Anzeigen vom 10.01.1752 fand. Dort stand: „Dem Dorfe Eckwarden ist mit folgenden verständigen und tüchtigen Handwerkern gedient, nämlich: mit dem Schmied, einem Zimmermann und einem Küper. Welcher Handwerksmeister sich also anhero zu wohnen begeben Lust haben möchte, wird ersuchet, sich in Eckwarden bei Herrn Peter Bendes zu melden, welcher die Behausung oder Wohnung zu verschaffen versichert.“
Hieraus wird erstens ersichtlich, dass Peter Bendes im Dorfe über soviel Hausbesitz verfügte, dass er in der Lage war, jedem Zuwanderer die gewünschte Wohnung zu bieten. Zum anderen kommt die Anzeige fast einem Hilferuf gleich. Der Mangel an Handwerkern wie auch an Landarbeitern ist auf die große Sterblichkeit in jener Zeit zurückzuführen. Verursacht hauptsächlich durch Krankheiten, die auf den chronischen Trinkwassermangel im küstennahen Gebiet zurückzuführen waren, entwickelten sich die Bevölkerungszahlen rückläufig.
Ab 1732 war Peter Bendes auch Deichgeschworener und behielt dies Amt bis zu seinem Tode 1756. Sein Kollege als Deichgeschworener war mein Vorfahr Ide Francksen in Ruhwarden, der damals alle wichtigen Ereignisse in einem dicken Hausbuch notiert hat. Darin ist unter dem Jahre 1755 zu lesen:
„Den 11.Mai des Morgens brannte Peter Bendes sein neues Haus ab, was er 1754 – also erst vor einem Jahre – bei Eckwarden hatte bauen lassen.“ Damit aber nicht genug, heißt es im Bericht von 1756 schon wieder: „Den 7.Oktober ist ein so entsetzlicher Orkan gewesen wie bei Menschengedenken nicht, welcher sowohl in fremden Ländern entsetzlichen Schaden angerichtet hat, wie auch unsere Vogteideiche so zugerichtet hat, wie seit 20 Jahren nicht mehr geschehen. Das aller Unglücklichste aber war dabei, dass in Eckwarden Peter Bendes sein Haus, Berg und Nebengebäude, nebst fünf anderen, zusammen also zehn Gebäude und Heuwischen, in Brand aufgingen. Nun kann ein jeder, der das gesehen hat, sich zu Gemüte führen, wie jämmerlich das ausgesehen hat. Gott der Allerhöchste bewahre uns ferner vor dergleichen Unglück.“
Zehn Gebäude in Flammen, das war für einen kleinen Ort wie Eckwarden natürlich eine echte Katastrophe und erforderte den Einsatz aller Hilfskräfte. Sogar im acht Kilometer entfernten Ruhwarden wurden die Männer zur Hilfeleistung aufgerufen. Man wird bezweifeln dürfen, dass es für die Ruhwarder noch viel zu retten gab, doch war laut Bauordnung jeder zur Hilfe verpflichtet, und drei Einwohner, die sich damals drücken wollten, erhielten „dieser Lieblosigkeit wegen“ – so steht es im Bauernschaftsprotokoll – eine Strafe.
Für Peter Bendes war das ein schwerer Verlust, zumal es zu dieser Zeit noch keine Versicherung gab. Erst zehn Jahre später, 1764 nämlich, wurde die Oldenburgische Brandkasse gegründet.
Vielleicht waren diese vielen Aufregungen daran schuld, dass Peter Bendes noch im Unglücksjahr 1756 starb. Wo die hinterlassene Familie in den nächsten Jahren wohnte, ist nicht klar. Ein neues Haus wurde erst 1762 wieder errichtet, ein Jahr nachdem der Sohn und Erbe, der wie sein Vater Peter Bendes hieß, geheiratet hatte. Dies Datum ist noch heute zu lesen auf der Sandsteintafel im Giebel des Hauses auf der Höchte. Die darauf auch genannte Ehefrau Hasche Margarete war eine geborene Kloppenburg aus Colmar bei Strückhausen.
Der Zufall hat mir eine Urkunde in die Hände gespielt, mit welcher Peter Bendes jun. im Jahre 1761 seinem Schwiegervater Kloppenburg den Empfang der Mitgift bescheinigt. Neben 600 Talern in bar waren das je zwei der besten Pferde und Kühe. Es folgen dann auf der Liste: Daunenbetten, Bezüge und Laken, Tischdecken, Servietten und Handtücher, Kleider aus verschiedenen Stoffen, dazu ein Schultertuch mit zwei silbernen Haken. An Zinngeschirr brachte die Braut 2 Dutzend Teller, 6 Schüsseln und 1 Suppenschüssel mit. Dazu kamen 2 weitere Zinnschüsseln und 14 silberne Löffel, die sie als Hochzeitsgeschenke erhalten hatte, und nicht zuletzt die Aussteuermöbel: ein echter Kleiderschrank mit Nussbaumholz überlegt, ein schwarzer messingbeschlagener Koffer, eine sogenannte Dragekiste (das war eine Art Truhe), ein Küchenschrank (damals sagte amn dazu Richtebank) mit Glastüren, ein Dutzend lederbezogene Stühle und schließlich 2 Lehnstühle.
Wir sehen: der Herr Schwiegervater war kein armer Mann. Aber auch der junge Peter Bendes hat den Wohlstand der Familie weiter vermehrt. Der Name Bendes aber wurde mit ihm bei seinem Tode 1797 zu Grabe getragen. Er selber hatte zwei Schwester gehabt, von denen eine den Pastor Toben im Jeverland, die andere den Kaufmann Hesemeyer in Tossens geheiratet hatte. Aus der Ehe von Peter junior waren auch zwei Töchter hervorgegangen, wovon die ältere einen Pastor Trentepohl, die jüngere aber den bekannten Bockhorner Kaufmann Hempken heiratete. Diese Tochter, Dorothea verheiratete Hemken, wurde Erbin des Hofes auf der Höchte. Im Jahre 1801 verkaufte sie diesen Besitz an Gerd Wachtendorf, der auch aus der Nähe von Bockhorn stammte. Zu seiner Unterstützung im Alter holte sich Wachtendorf seinen Neffen Hinrich Koch aus Zetel auf den Hof, den dieser im Jahre 1833 für 6000 Taler kaufen konnte. Damit hatte auf der Höchte die Ära Koch begonnen.
Was Hinrich Koch hier in der Franzosenzeit 1810-1814 erlebte, hat er der Nachwelt in seinen Lebenserinnerungen mitgeteilt. Hierüber wird bereits in der Festschrift berichtet, weshalb ich an dieser Stelle nicht näher darauf einzugehen brauche.
Im Laufe von mehreren Generationen kamen durch Ankauf und Einheirat weitere Eckwarder Höfe in Kochschen Besitz. Als das Haus auf der Höchte Ende des vorigen Jahrhunderts reparaturbedürftig wurde, verzichtete man auf eine Wiederherstellung und errichtete stattdessen ein neues Hofgebäude an der inszwischen gebauten Hauptstraße, wo man mehr Platz hatte und auch näher bei den Ländereien war. Vom Haus auf der Höchte, 1762 von Peter Bendes jun. errichtet, steht heute nur noch der Wohnteil. Äußerlich stilgerecht renoviert, birgt sein Inneres architektonische und antiquarische Überraschungen, die wohl keiner in diesem Hause vermutet….
Aus dem Tagebuch des Landmanns Hinrich Wilhelm Koch, Eckwarden (1862):
(Abschrift von Aike Koch)
„Ich, Hinrich Koch zu Eckwarden, bin ein Zwilling, 1781 Juli 31 in Zetel geboren. 1808, den 28.August habe ich mich verheiratet mit Margarete Schröder, Tochter des Hausmanns Hinrich Schröder und dessen Ehefrau Lenchen Margareta Schröder, geb. Cornelius. Meine Frau ist geboren 1787, Mai 10. In dieser Ehe sind uns 5 Kinder geboren, 3 Söhne und 2 Töchter, wovon noch 2 Söhne am Leben sind, und beide verheiratet. Der Älteste, Dietrich Wilhelm mit einer Tochter des gräflichen Pächters Gerd Prass zu Roddens, der Jüngste, Hinrich Wilhelm, mit einer Tochter des Hausmanns Johann Fink zu Gutzwarden. Mein seliger Vater, Dirk Koch, ist zu Zetel geboren und gestorben; meine Mutter, Ahlke Koch geb. Wachtendorf, ist zu Schweinbrück, Kirchspiel Zetel geboren und in Zetel gestorben. Meine Eltern betrieben Landwirtschaft und Kleinhandel mit Kolonialwaren, Garn und Leinen. Sie ließen von dem Garn außer dem Hause Leinen weben und bleichten das Leinen dann selbst; auch ließen sie gelbes Leinen weben. Mit dem Leinen, welches in Kisten gepackt wurde, reiste mein Vater jährlich einmal nach Amsterdam, um es zu verkaufen.
Wir waren mit 7 Kindern, wovon ich jetzt noch allein am Leben bin. Des Morgens ging mein seliger Vater im Hause herum und sang bei seiner Arbeit geistliche Lieder; diese Stimme geht mir noch jetzt zum Herzen. In der Schule bin ich von dem ehrwürdigen Organisten Goose und dem Nebenleherer Dierk Eilers unterrichtet worden, und im Jahre 1796 in der Kirche zu Zetel von Pastor Grimm konfirmiert. Im Jahre 1797 blieb ich noch im elterlichen Haus, ging etwa ein halbes Jahr lang bei unserem Nachbarn Gabriel Jürgens als Weberlehrling in die Lehrer, um das Leinenweben zu lernen; hierzu hatte ich keine Lust. 1798 schickten mich meine Eltern nach dem Butjadingerlande zu meinem Onkel Wachtendorf zum gräflichen Roddens, um allda die Landwirtschaft zu erlernen; hier blieb ich bis 1.Mai 1806. Die ersten 2 Jahre musste ich Pflug treiben, hernach pflügte ich, säte Getreide und verrichtete die Landwirtschaftsarbeiten. In den letzten Jahren leitete ich die Landwirtschaft fast ganz allein. Mein Onkel war ein rechtschaffener Mann. Er hat viel Gutes an mir getan, wofür ich ihm zeitlebens dankbar bin. Am 1.Mai 1806 habe ich in diesem Haus in Eckwarden, was ich noch jetzt bewohne, meinen eigenen Haushalt angefangen, also vor über 55 Jahren. Die Stelle hatte ich von meinem Onkel Gerd Wachtendorf geheuert bis 1833. In diesem Jahr kaufte ich die Stelle mit 86 Jück Land für ca. 6000Rth Gold. Die olim Friedrich Stegestelle, genannt Roddenser Hammerich mit 62 Jück Land kaufte ich 1824, und die olim Berend Hayessen Stelle mit 44 Jück Land zu Hagen, beide zusammen für 7500Thlr Gold.
1807 wurde ich zum Bauerngeschworenen gewählt, 1808-1810 Armenvater, 1818-1833 wieder Armenvater, 1810 -1814 Kirchjurat, 1814-1856 Kirchspielvogt, 1856-1957 Gemeindevorsteher. Am 1. Januar bin ich auf mein Ansuchen meines Dienstes von der Regierung entlassen, und ist mir von Seiner Königlichen Hoheit, dem Großherzog von Oldenburg, wegen langjähriger Verdienste das goldene Ehrenzeichen 1.Klasse verliehen worden. 1827-1832 Eckwarder Schuljurat, 1827-1848 Fedderwarder Siel Ausschuss. 1822 bin ich als Mitglied in die Oldenburgische Landwirtschaftliche Gesellschaft aufgenommen und durch Diplom 1844 zum wirklichen Mitglied ernannt worden. 1854 bin ich als Königlich Preußischer Kirchspielvogt über das östliche preußische Jadegebiet bestellt worden und 1861 auf mein Ansuchen des Dienstes wieder entlassen. 1861 ist mir von Seiner Majestät dem König von Preußen das allgemeine Ehrenzeichen verliehen.
Während der französischen Zeit 1811-1813 war ich Munizipalrat. Der damalige Maire war Theodor W.Francksen, er wohnte in Ruhwarden und trug mir alle Militärangelegenheiten, die hier vorkamen, auf, z.B. das Militär ein-, um- und ausquartieren, alle Requisitionen, wie Pferde und Wagen; Boten kündigen lassen, auch Feuerung, Stroh und dergleichen zu requirieren. Das ging bei Tag und Nacht immerfort. Dazu hatte ich selbst fast immer militärische Einquartierung. 1810 wurden hier 3 Kasernen eingerichtet, zu Großwürden, Sinswürden und Hayenschlot. In den Kasernen waren 150 zweischläfrige Bettstellen mit Oberdecken, Kopfpfühlen und Strohsäcken. Darin waren durchschnittlich 300 Soldaten einquartiert. Das Militär wechselte oft. 1810-1812 wurden hier 2 Batterien eingebaut, eine zu Großwürden in der Eckwarder Hörne, die andere auf dem Oberahnischen Feld; auch mit diesen Batterien hatte ich oft zu tun. 1816 wurde mir von der Großherzoglichen Kammer zu Oldenburg die Aufsicht über die Deichjuraten übertragen, damit die Deicharbeiten gehörig betrieben würden. 1817 wurde ich wieder entlassen.
1825, Februar 3./4. verheerende Sturmfluten. In der Nacht vom 3. auf den 4.Februar hörte ich vom Bett aus ein starkes Gewitter mit Donner und Blitz aus dem Nordwesten, wo auch der Wind kam. Es war hart gefroren. Als ich aus dem Hause kam, sah ich, dass salziges Wasser vor meinem Hause am Düngerhaufen stand, und vermutete, dass der Deich durchbrochen, oder das Wasser über den Deich gelaufen war. Erstes war gottlob nicht geschehen, Letzteres war aber so.
Ich lief im Dorfe herum und weckte einige Einwohner aus dem Schlafe. In dieser Nacht wollte ich mit meinem großen Trog nach dem Deiche fahren. Als ich eine Strecke hin war, musste ich wegen der Finsternis der Nacht und wegen des vielen Wassers wieder umkehren. Den anderen Morgen setzten wir mit mehreren Einwohnern teils mit dem Trog über das Wasser und teils zu Fuße nach dem Deiche. Als wir da kamen, sahen wir, dass der Deich nicht durchbrochen, sondern das Wasser über denselben gegangen war, und viele Kopfstürze am Deich standen. Es war Vollmond und Springflut. Der Eckwarder Siel war in schlechtem Zustand, man musste befürchten, dass er wegen des vielen Wassers, das über den Deich gelaufen war und wieder durch den Siel hinausgehen musste, herausreißen würde. Es war ein großes Glück, dass am 4.Februar, als wieder Hochwasser war, der Wind stille geworden war, sonst würde es hier noch schlecht hergegangen sein. Als es Hochwasser war, stand es am Ahndeich gerade mit der Deichkappe gleich, und an einigen Stellen lief das Wasser langsam über den Deich.
Februar 9 wurde ich vom Amte Tossens aufgefordert, ich möchte mit den hiesigen Einwohnern, so viel wie möglich, zu Hilfe eilen, da es zu vermuten war und sich in Tossens das Gerücht verbreitet hatte, dass sich Menschen und Vieh in den Wischen in sehr bedrängter Lage befänden und auf einigen Häusern Notflaggen aufgestellt wären. Am 10.Februar fuhr ich mit einigen Leuten von Eckwarden mit einer Jolle, in die ich einige 20 Brote und einige Fässer mit gutem Trinkwasser bringen ließ. Damit fuhren wir von hier nach der sogenannten roten Brücke, von da nach Iffens weiter nach dem Haus von H.R.Siemssen. Dieser hatte in seinem Keller ein Loch graben lassen; daraus holten sie Wasser zum Essen und Trinken, weil sonst in seinem Haus das Wasser durch Salzwasser verdorben war. Dann fuhren wir weg nach dem Stollhammer Kirchdorf und erfuhren, dass es in den Wischen nicht so schlimm aussah wie vermutet wurde. Brot und Wasser ließen wir da und fuhren nach Eckwarden zurück.
Februar 26 übertrug mir das Amt zu Tossens die Aufsicht über alle Deicharbeiten am Ahndeich. Dieser wurde in der Mitte so viel wie möglich erhöht bis zum 4.März, weil alsdann wieder Vollmond und Springflut war und uns neues Unheil drohte, was gottlob vorüberging. Der Deich wurde 1825-1828 an einigen Stellen wohl 4-6 Fuß erhöht und verstärkt.
Endlich bezeuge ich noch, dass mein Gott und Vater im Himmel mich in meinem ganzen Leben mit vielen und großen Wohltaten gesegnet und aus aller Not mich gnädig erlöset hat, wofür ich ihm Dank und Ehre geben will, solange ich lebe.
Im Frühjar 1803 brach der Krieg zwischen England und Frankreich wieder aus und die Weser wurde durch England blockiert. Die Blockade dauerte von 1803 – 1805. Im Jahre 1804 lagen hier auf der Jade über 100 Schiffe, darunter viele zwei- und dreimastige; damals war hier viel Kommerz am Ahndeich und von allen Gegenden kamen Leute nach Eckwarden, um es zu sehen. 1806, Dezember 7 bekamen wir hier die erste Einquartierung (holländische Soldaten) und sie dauerte fast ununterbrochen bis 1814 fort. Die meiste Zeit hatten wir hier französisches Militär in Quartier; bisweilen hatte ich 6-10 und wohl 20 Mann, alles durcheinander: Infanteristen, Husaren mit Pferden, Trainknechte mit Pferden, Gendarmen und Douanen. Während dieser Zeit hatte ich 9 Zugpferde. Diese waren zuweilen alle In Militärangelegenheiten abwesend, und so hatte ich dann kein einziges Pferd bei Hause. In den Jahren 1812 und 1813 musste ich oft Pferde und Wagen stellen, nach Leer, Rotenburg, Hamburg, Bremen, Oldenburg und nach anderen Gegenden; sie blieben oft 8 und wohl auch 14 Tage weg. Zuletzt konnte ich fast gar keine Fuhrleute mehr bei den Pferden und Wagen bekommen. Sie waren bange, dass die Franzosen sie ganz mit nach Frankreich nähmen; also musste ich die Fuhrleute auch noch für Geld dingen.
Im Jahre 1809 wurden hier auf der Jade aus 2 Schiffen viele Waren zur Prise gemacht; sie bestanden hauptsächlich aus 83153 Pfund Kaffee in 863 Säcken und 28 Fässern; 217 Pfund Indigo, 4921 Pfund Färbeholz, 756 Pfund Tabak in Rollen (182), 19253 Pfund Rohrzucker, 900 Pfund Hutzucker und sonst noch aus vielen Manufakturwaren und dergleichen – welche hier in meinem Hause auf der Dreschdiele in Verwahrung gebracht und von den französischen Douanen und 4 Mann Einwohnern bewacht wurden. 1809, Juni 17 kamen 2 englische Kriegsschiffe in der Jade angefahren; das eine Schiff legte sich südlich des Flügeldeichs am Ahndeich vor Anker. Dort stiegen die Soldaten und Matrosen in eine Jolle und fuhren nach dem Deiche zu. Als das die französischen Douanen sahen, legten sie sich an die innere Deichkappe und fingen an zu schießen. Darauf wurde von dem englischen Kriegsschiff aus Kanonen mit Kartätschen geschossen. Dann kamen die englischen Soldaten an Land – und die französischen Douanen ergriffen die Flucht. Das andere Schiff fuhr ungefähr bis nach dem Eckwarder Siel hin, legte dort vor Anker und fing an, mit Kugeln von 12 Pfund zu schießen gegen das Kirchdorf Eckwarden hin. Eine dieser Kugeln ließ ich auf meinem Lande ausgraben. Juni 18 kam ein englischer Kommandant mit 60 Soldaten, rot gekleidet, und mit einigen Matrosen ans Land und hier nach dem Dorf. Der Kommandant kam mit den Soldaten über meinen Steg in mein Haus, und sie freuten sich über die Beute, die sie machten. Da wurden Pferde und Wagen requiriert, und die Waren nach dem englischen Kriegsschiff gebracht. Man sagte damals, einige Leute hätten sich dabei gut gestanden und hätten einige Sack Kaffee und dergleichen nach ihren Häusern gebracht. Die Soldaten schnitten mit ihren Säbeln einige Säcke mit Zucker und Kaffee auf. Die Frauen aus dem Dorf und der Umgebung hatten von der Kaffeejagd vernommen und fanden sich ein. Sie strichen die Kaffeebohnen in ihre Schürzen und brachten sie nach Hause – die Soldaten hatten ihren Spaß daran. Die Schiffe fuhren wieder in See. Nachher habe ich nichts wieder von ihnen vernommen.
1810-11 war hier folgendes französisches Militär bei den Einwohnern in Quartier: Infanterie 160 Mann, Kanoniere 48. Artillerie 80, Husaren 20, Douanen 14, Offiziere 10. Im Ganzen 332 Soldaten mit 168 Pferden. Außerdem noch in den 3 Kasernen 300 Soldaten mit 6 Pferden, einige Frauen und Weiber einquartiert. 1811, Mitte April, zogen Artillerie und Husaren mit ihren Pferden von hier ab, danach wurden die Einquartierungslasten etwas erträglicher.1810 wurde die hiesige Kirche zum Pulvermagazin gemacht; darin wurden 9 vierspännige Fuder Pulver untergebracht. Während dieser Zeit wurde in meinem Hause in der Hinterstube Gottesdienst abgehalten. An der einen Seite waren Bänke für Männer, an der anderen Seite für Frauen. Der damalige Pastor Bonus, nachher Pastor zu Rastede, predigte.“
…
Eckwarden 1862, Juni 30. Gez: H.Koch
Aus: Eduard Krüger – Zwischen Weser und Jade, Ein Marschenbuch
Edo Dieckmann Verlag Oldenburg, 1949
Franzosen in Eckwarden
In der wechselvollen Geschichte unseres Volkes steht das Jahr 1806 als ein Jahre des Unglücks in wenig freundlicher Erinnerung. Nicht nur, dass in diesem Jahre sechzehn süd- und mitteldeutsche Fürsten dem Reiche den Rücken kehrten, indem sie sich als „Rheinbund“ Napoleon anschlossen, dass Franz II die deutsche Kaiserkrone niederlegte und damit dem deutschen Reiche nach tausendjährigem Bestehen ein wenig rühmliches Ende bereitete, im Jahre 1806 brach nach den Niederlagen von Jena und Auerstädt auch das friderizianische Preußen kraftlos zusammen. Napoleon aber holte zu weiteren Schlägen aus, indem er noch in demselben Jahre die Festlandssperre verhängte, die jeden Handelsverkehr mit den britischen Inseln unmöglich machen und England an seiner empfindlichsten Stelle treffen sollte. Im Jahre 1810 traf der Korse weitere einschneidende Maßnahmen zur strengsten Wirtschaftsblockade gegen das ihm verhasste England, indem er durch Senatsbeschluss vom 13.Dezember einen bedeutenden Teil Nordwestdeutschlands als „integrierenden Bestandteil“ dem französischen Reiche einverleibte. Der Herzog von Oldenburg wurde unter dem unbestimmten Versprechen einer Entschädigung seines Landes beraubt, der nordöstlichste an die Weser grenzende Teil des Herzogtums, also auch die Wesermarschen, dem „Departement des Bouche du Weser“ zugeteilt und damit der Krieg in unsere Marschen getragen. Noch im Herbst des Jahres 1810 begannen die Franzosen, Gräben und Wälle umgebene Geschützstellungen, von denen sie in Butjadingen nicht weniger als fünf errichteten, die Batterien zu Blexen, Waddenser Pumpe, Großfedderwarden, Großwürden und Oberahnische Felder.
Es hatte schon seine Gründe, dass Napoleon von den fünf Batterien zwischen Weser und Jade zwei in geringer Entfernung voneinander in die Südwestecke Butjadingens und an die Jade legen ließ. Gerade hier fanden sich immer zahlreicher die Handelsschiffe ein, Zwei- und Dreimaster, die ihre begehrten Waren über die Siele, besonders über den Inhauser- und Vareler Siel, absetzten und einen schwungvollen Handel mit den Städten des Binnenlandes unterhielten, allen Nachstellungen der anfangs holländischen, seit dem Jahre 1806 französischen Grenzsoldaten zum Trotz. So wurden hier auf der Jade am 6.Mai 1809 auf zwei Schiffen erhebliche Mengen an wertvollen Waren beschlagnahmt und auf der Diele des Munizipalrates und späteren Gemeindevorstehers Hinrich Koch zu Eckwarden durch französische Douanen und vier befohlene Einwohner unter Bewachung gestellt, 83153 Pfund Kaffee in 863 Säcken und 28 Fässern, 217 Pfund Indigo, 4921 Pfund Färbeholz, 756 Pfund Tabak in 182 Rollen, 19253 Pfund Rohzucker, 900 Pfund Hutzucker und viele Manufakturwaren. Am Nachmittag des 17.Juni kamen zwei englische Kriegsschiffe, von denen das eine an der Südseite des Flügeldeiches am Ahndeiche vor Anker ging und in einer Jolle Truppen an Land zu bringen begann. Als die französischen Douaniers die Ausschiffung wahrnahmen, legten sie sich an die innere Deichkappe und eröffneten das Feuer. Sofort schossen die Kriegsschiffe mit Kartätschenkugeln auf die nunmehr fliehenden Zöllner, sodass die englischen Mariner ungehindert landen konnten, während das zweite der Schiffe zwölfpfündige Kugeln in Richtung auf Eckwarden schleuderte. Anderntags erschien ein englischer Kommandant mit sechzig rotgekleideten Soldaten und Matrosen vor dem Kochschen Haus, um die dort sichergestellte Konterbande zurückzuholen. Sie beschlagnahmten zu diesem Zwecke allerhand Gespanne und brachten damit die Waren zu den Schiffen, ohne dass jemand sie daran hindern konnte. Nur einige mit dem Säbel angestochene Säcke mit Kaffee und Zucker überließen sie den Eckwarder Frauen, die nicht lange auf sich warten ließen, das kostbare Gut in ihren Schürzen zu bergen und heimzutragen.
Das geschah, wie gesagt, im Jahre 1809; es dürfte allerdings eines der letzten Husarenstücke gewesen sein, die die Engländer sich hier an der Jade angesichts der Festlandssperre erlauben konnten. Denn von nun an nahm Napoleon gerade die Jade in seine besondere Obhut, indem er zur Überwachung der Schifffahrt einen Zollkreuzer auslegte, zwei Batterien am diesseitigen Ufer errichtete und Eckwarden zu einem starken Stützpunkt der Blockade gegen den britischen Handel machte. In Hayenschloot, Sinswürden und Großwürden wurde je ein Haus zu einer Kaserne ausgestattet, mit je 50 zweischläfigen Bettstellen, mit Decken, Kopfpfühlen, Strohsäcken, Möbeln, Koch- und Essgeschirr versehen, sodass in ihnen insgesamt 300 Mann untergebracht werden konnten; so waren beispielsweise im Winter 1810/11 in Eckwarden und Umgebung bei den Einwohnern zwangseinquartiert 160 Infanteristen, 48 Kanoniere, 80 Artilleristen, 20 Husaren, 14 Douaniers, 10 Offiziere, zusammen 332 Mann mit 168 Pferden. Zu gleicher Zeit diente die Eckwarder Kirche als Pulvermagazin, in dem neun vierspännige Fuder Pulver verwahrt wurden (12.Dezember 1810 bis Mitte April 1811), derweilen der Gottesdienst im Hause des Hinrich Koch abgehalten werden musste.
Fragen: weiss jemand,
1. was es mit der Sage vom Hayenschloot auf sich hat
2. was aus der Familie Nordholz und ihrem Hof in Roddens geworden ist
( ich war als Kind im Krieg ausgebombt und ausgehungert bei ihnen zu Gast.)
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